Klassenfahrt nach Verdun 2010

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Schüler der Erbacher Schule am Sportpark besichtigten die „Hölle von Verdun"
Aus der Geschichte lernen

Erbach. „ Erziehung zum Frieden angesichts des Schreckens des Krieges", ein hochaktuelles Thema angesichts der kriegerischen Auseinandersetzungen und den zahlreichen deutschen Toten in Afghanistan. - Unter diesem Leitgedanken stand eine Exkursion zweier Realschulklassen der Jahrgangsstufe 9 der Schule am Sportpark während der diesjährigen Wanderwoche im Mai 2010. Zusammen mit ihren Klassenlehrern Sylvia May und Rainer Volk machten sich 41 Schüler und Schülerinnen auf den Weg ins lothringische Verdun zu einem der blutigsten Schlachtfelder des 1. Weltkrieges und Synonym für die Sinnlosigkeit und Brutalität moderner Kriegsführung. Eine blutige Schlacht, die mehr als 330.000 zumeist jungen Menschen das Leben kostete. Nach über 4 Stunden Fahrt kamen die Erbacher Schüler am Fort Douaumont an. Es wurde kurz vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges fertig gestellt und war zu seiner Zeit das größte Festungswerk bei Verdun. Auf dem Fort weht seit November letzten Jahres neben der französischen und europäischen auch die deutsche Nationalfahne - eine Geste hin zur Verständigung der beiden Völker.

Danach besichtige die Gruppe die Gedenkstätte „L'Ossuaire de Douaumond" (Beinhaus). Hier werden Knochen von 130.000 nicht identifizierten Soldaten aller Nationen aufbewahrt. Im Anschluss durchschritt die Gruppe schweigend die Gräberfelder der etwa 15.000 meist französischen Soldaten.

Auch das Museum „Memorial de Verdun" stand auf der Reiseroute der Schüler und Schülerinnen. Zunächst sahen sich die Klassen einen Film an, der über die Ursachen und den Verlauf des 1. Weltkrieges berichtete. Anschließend konnte man verschiedene Exponate besichtigen, die über den 1. Weltkrieg und die Schlacht von Verdun Informationen liefern. Diese Exponate stammen im Wesentlichen aus persönlichen Schenkungen, ehemaliger Frontsoldaten bzw. deren Familie.

Abschließend fuhr man zur „La Citadelle de Verdun". Von 1886 bis 1893 wurden dort unterirdische Wehrgänge angelegt. 1940 waren diese Gänge 4 km lang. Am Ende des Krieges zählte man 7 km. Diese Gänge waren so angelegt, dass dort 2.000 Männer leben konnten. Heute können Besucher einen Teil dieser unterirdischen Gänge in kleinen Wagen durchfahren und das Leben der Soldaten in der damaligen Zeit kennen lernen.

Nach diesem anstrengenden, aber interessanten Tag verbrachte die Reisegruppe die Nacht
in der Jugendherberge Kehl.

Am nächsten Vormittag besichtigten die Schüler und Schülerinnen das Konzentrationslager Natzweiler-Struthof. „Der Ort des Terrors" liegt südwestlich von Straßburg auf einem zugigen Bergkamm der Vogesen. Schon der Eingangsbereich mit seinem Wachhaus und dem über 40 m hohen, aus Stein geschaffenen, flammenförmigen Mahnmahl, erinnert an die Schrecken der Naziherrschaft. In Natzweiler standen einst 17 Baracken auf einem terrassenförmig angelegten Berg, auf dem ab September 1940 rund 7.000 Juden aus ganz Europa zusammengepfercht wurden. Ungefähr 52.000 Personen aus ganz Europa wurden in das Lager oder Nebenlager deportiert. 22.000 sind nie zurückgekommen. Die Menschen mussten dort in dem nahe gelegenem Steinbruch roten Granit berechen und für die Rüstungsindustrie arbeiten. Viele von ihnen überlebten dort nur wenige Monate. An die meisten Baracken mit den Schlafsälen erinnern heute nur mehr Gedenksteine.
Die Teilnehmer sind sich einig, dass man sich solchen Orten der Geschichte stellen muss, um so zu verhindern, dass sich jemals wieder eine derartige menschenverachtende Ideologie ausbreiten kann.
Am Nachmittag fuhr die Gruppe nach Straßburg, um dort auf der Ill eine Bootsfahrt durch die Straßburger Altstadt zu unternehmen. Die Besichtigungsfahrt brachte die Gruppe auch in die Neuzeit bis zum Europäischen Parlament und zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Nach der Fahrt hatte die Gruppe genügend Gelegenheit die Straßburger Innenstadt auf eigene Faust zu erkunden.

Mit bewegenden Eindrücken im Hinterkopf kehrte die Gruppe wieder nach Erbach zurück.
Und eines haben die Schülerinnen und Schüler begriffen: Nur wer den Krieg kennt,
weiß, was Frieden wirklich bedeutet.

Viele Schüler werden auch in diesem Jahr wieder unter Federführung der og. Lehrkräfte an den Sammelwochen der Kriegsgräberfürsorge teilnehmen und somit einen unverzichtbaren Beitrag für die Friedenserziehung leisten.

Vor der Fahrt besuchte Frau Judith Zimmermann, Referentin für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit/ Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., die Schülergruppe im Unterricht und gab einen besonderen Einblick in die Thematik.

Besonderer Dank gilt der Stiftung Gedenken und Frieden/ Stiftung Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, welche die Fahrt der Schülergruppe und deren Aktivitäten mit
500,- Euro bezuschusste.