Millionenspende der IHK für Berufsorientierung

Lesen Sie hier den Artikel des Odenwälder Echo vom 16.02.2012:

Schule – Handelskammer unterstützt Aufbau von "Zukunftswerkstätten"

DARMSTADT. 

Ließe man die Schüler ohne Berufsberatung in die Wunsch-Ausbildung wechseln, hätte Deutschland in wenigen Jahren ein Heer an Piloten und Tierärztinnen, auch an Automechanikern und Friseurinnen bestünde kein Mangel. Das ginge nicht nur an den Wünschen des Arbeitsmarktes vorbei. Auch die Schulabgänger würden unglücklich. Wer sich uninformiert entscheidet, wird oft ernüchtert – und bricht die Lehre ab.

Aus dieser Überlegung heraus gründete Thorsten Wohlgemuth, Lehrer an der Sportparkschule Erbach, 2008 die „Zukunftswerkstatt“ für Schüler der 7. bis 10. Klasse. Kernstück ist das Berufsorientierungszimmer. Ausbildungsunternehmen der Region stellen sich auf Plakatwänden vor, es gibt PC-Plätze zum Recherchieren, aber auch Möglichkeiten für die Praxis: Bausätze und Modelle aus der Elektrotechnik oder Pneumatik ermöglichen Experimente. Eine Berufswahl-AG für die 9. und 10. Klassen mit Praktika und Unternehmensbesuchen schließt die letzte Lücke zwischen Schule und Industrie.

Die IHK Darmstadt Rhein Main Neckar ist von dieser Idee so überzeugt, dass sie solche Orientierung auch anderen Schulen in ihrem Gebiet ermöglichen will. In der Praxis arbeitet neben der Integrierten Gesamtschule in Erbach schon die Martin-Buber-Schule in Heppenheim mit einer „Zukunftswerkstatt“. Acht Schulen setzen das Modell gerade um, 30 weitere sind daran laut IHK sehr interessiert. Helfen soll die „Zukunftswerkstatt“ vor allem Schulabgängern mit niedrigerem Abschluss.

10 000 Euro stehen pro Schule zur Verfügung, um Computer-Terminals, Beamer oder Bausätze anzuschaffen. Außerdem unterstützt die IHK Lehrerfortbildungen. Für die Förderung gibt es einige Bedingungen. Neben einem freien Raum benötigt die Schule einen Verantwortlichen für die Berufsberatung. Außerdem wird verlangt, dass die Schulen bei Unternehmen Sponsorengelder einwerben. Hier wiederum will die IHK mit ihrem direkten Draht zur Wirtschaft helfen. Es sei auch kein Problem, die Förderung zu kombinieren, etwa mit Projekten der Arbeitsagentur, sagte IHK-Projektleiter Dominik Theisen.
Auf einer Feierstunde in Darmstadt sagte IHK-Präsident Hans-Peter Bach, sein Verband habe Ende 2010 lange diskutiert, so viel Geld in die Hand zu nehmen. Schließlich sei die IHK aber zu dem Entschluss gekommen: „Wir können nicht immer nur den Schulen sagen: Macht ihr mal.“ Die Industrie müsse mithelfen, Vorbehalte – hier die bürokratisch-langsamen Schulen, dort die Arbeitswelt mit steigenden Ansprüchen – abzubauen.

Das sei in Erbach gut gelungen, sagte Bach und Wohlgemuth belegte es mit Zahlen. Der Hauptschulzweig der Integrierten Gesamtschule habe 2007 nur 14 Prozent der Schüler direkt in eine duale Ausbildung vermittelt. Mittlerweile sind es 48 Prozent. Insgesamt schafften seit Beginn der "Zukunftswerkstatt" 120 Schüler diesen nahtlosen Anschluss ans Berufsleben.

zitiert von: http://www.echo-online.de/nachrichten/wirtschaft/wirtschaftsuedhessen/Millionenspende-der-IHK-fuer-Berufsorientierung%3Bart1155,2628642 (16.02.2012)

Dieses Dokument wurde erstellt am 29.02.12 durch Christoph Kabrhel.
Die letzte Bearbeitung erfolgte am 29.02.12 durch Christoph Kabrhel.