IHK-Bildungsforum

Beim Bildungsforum „Berufsorientierung“ der IHK präsentieren Schüler die Arbeit der Berufsorientierung an der Schule am Sportpark vor Vertretern aus Politik und Wirtschaft - mit dabei Kultusministerin Dorothea Henzler. Lesen Sie hier den Artikel aus dem IHK-Report April 2012, S. 48-49:

 

Friseurin? Bürokauffrau? Artzhelferin?

Das "Projekt Zukunfstwerkstatt" wurde beim "Forum Berufsorientierung" in Darmstadt vorgestellt. Die IHK unterstützt Schulen, die diese Berufsorientierungszimmer einrichten.

Mehr als 120 Ausbildungsberufe werden im Bezirk der IHK Rhein Main Neckar ausgebildet, im Bereich der Kreishandwerkerschaft Darmstadt-Dieburg sind es über 140. Aber Berufsberater stellen oft fest, dass 80 Prozent der Schüler maximal 20 Prozent der Berufe kennen. Um dieses Wissen zu erweitern, hat der Arbeitslehreund Erdkunde-Lehrer Thorsten Wohlgemuth in der Erbacher „Schule am Sportplatz“ gemeinsam mit der IHK Darmstadt eine „Zukunftswerkstatt“ eingerichtet. Diese „Werkstatt“ stellte sich Mitte Februar in der IHK Darmstadt anlässlich des „Forum Berufsorientierung“ der hessischen Kultusministerin Dorothea Henzler vor: Mit Druckluft betriebene Fischertechnik-Modelle sind in der IHK Darmstadt aufgebaut. Daneben stehen Schüler der Jahrgangsstufe 9, die die Besucher ansprechen und ihre Modelle erklären. Die Modelle sind nur ein Mittel, um den Schülerinnen und Schülern Anstöße für die Berufswahl zu geben. „Vor dem Kurs hatte ich nie über Pneumatik oder Programmierung nachgedacht“, sagt Schüler Mark Hager. Jetzt sei er sich schon sicherer, dass er eine technisch orientierte Berufsausbildung suchen werde.

Info nach Bedarf - Die „Zukunftswerkstatt“ unterstützt Schüler bei der Berufsfindung. In einem regelmäßig geöffneten Raum in der
„Schule am Sportplatz“ mit Platz für rund 20 Schüler hängen an den Wänden aktuelle Plakate zu Berufsfeldern, an Terminals können sich Schüler ebenfalls informieren. „Berufsorientierung ist ein individueller Prozess für drei Jahre“, begründet Wohlgemuth den relativ
hohen Aufwand, zu dem neben Modellbau, Informationsraum auch Betriebsbesuche und Bewerbungstrainings gehören. Eine Schülerin etwa sei mit dem Berufsziel Friseurin zu ihm gekommen, schildert der Pädagoge. Nach einiger Zeit wollte sie lieber Bürokauffrau werden und ist „jetzt glücklich“ – als zahnmedizinische Assistentin. Eine Entwicklung, die möglich wurde, weil sich die junge Frau langfristig und kontinuierlich mit dem Thema beschäftigen konnte. „Die Schüler interessieren sich nicht automatisch für Berufsorientierung“, sind Wohlgemuths Erfahrungen. Deshalb wollte er von der rein lehrergesteuerten Berufsfindung wegkommen. Mit der „Zukunftswerkstatt“ bekämen die Schüler nicht nur Impulse von außen, sie könnten das Angebot jederzeit nutzen, wenn sie Bedarf haben.

10.000 Euro für jede Schule - Hans-Heinrich Benda, Geschäftsbereichsleiter Zentrale Dienste der IHK, lobt die Initiative. „Thorsten Wohlgemuth schafft es, Personaler an die Schule zu holen, die mit den Schülern Bewerbungsgespräche durchspielen.“ Die „Zukunftswerkstätten“ seien notwendig, erklärt Benda: „Wir verlieren in hohen Größenordnungen schulisch ausgebildete junge Menschen, weil sie nicht auf die Berufstätigkeit vorbereitet sind.“ Daher unterstütze die IHK Schulen, die solche Räume einrichten wollen mit IHK-Lehrerfortbildungen – und finanziellen Mitteln. Mit jeweils 10.000 Euro können Schulen diese Computer, Beamer oder
Bausätze kaufen. Voraussetzungen für eine Förderung sind unter anderem ein Raum für die Zukunftswerkstatt, ihre feste Verankerung im Schul-Curriculum ab Klasse 7, eigenständige Sponsorensuche, einen verantwortlichen Lehrer sowie einen Berufsorientierungsberater. Beim „Forum Berufsorientierung“ freut sich auch IHK-Präsident Dr. Hans- Peter Bach, gerade im 150. Jubiläumsjahr der IHK etwas Besonderes wie die „Zukunftswerkstatt“ vorstellen zu können. Er betont, dass die Wirtschaft auf Schulen angewiesen sei und wünscht sich mehr Zusammenarbeit und weniger Bürokratie. „Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes
beginnt nicht in der Fabrikhalle oder im Forschungslabor. Sie beginnt im Klassenzimmer“, zitiert der Verleger den Autobauer Henry Ford. Bewusste Berufswahl sei auch für die Unternehmen wichtig, so Bach. „Es reicht uns nicht, wenn die Jugendlichen irgendwo hineinschlittern.“ Die IHK habe daher schon 2010 beschlossen, Berufsorientierung vor Ort im Kammerbezirk mit insgesamt einer Millionen Euro zu unterstützen. Dazu gehöre auch, Kontakte zwischen Schulen und Unternehmen zu vermitteln. Kultusministerin Dorothea Henzler bezeichnet die „Zukunftswerkstatt“ als „ganz fantastisches Beispiel“. Die Ministerin räumt allerdings ein, dass das Bildungswesen „ein großer Tanker“ sei, der nur langsam umsteuern könne. „Das dauert dann eine Schülergeneration.“ Die Ministerin
sieht aber, dass es immer weniger Vorbehalte zwischen Schulen und Unternehmen gebe. Die Professorin für Arbeitslehre, Marianne Friese, von der Universität Gießen lobt die methodische Vielfalt der „Zukunftswerkstatt“ und das Engagement ihres geistigen Vaters Wohlgemuth. „Junge Menschen wollen eine sinnstiftende und materiell gesicherte Erwerbsbiografie“, sagte sie. Die Wissenschaftlerin sieht künftig einen Bedarf an Berufen aus Mathematik und Informatik, Natur- und Technikwissenschaften (MINT) sowie  personenbezogene Dienstleistungsberufe. Mit den Fischertechnik-Modellen setzt die „Zukunftswerkstatt“ genau hier an. - mw

zitiert von http://www.darmstadt.ihk.de/share/flip/April2012/index.html (11.05.12)

Dieses Dokument wurde erstellt am 01.05.12 durch Christoph Kabrhel.
Die letzte Bearbeitung erfolgte am 21.08.13 durch Anika Knapp.