Eine Werkstatt für später

Lesen Sie hier den Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 17.02.2012, Seite 47:

IHK Darmstadt fördert Berufsorientierung an Schulen

pede. DARMSTADT. Früher wollte Vanessa für sich allein arbeiten – "irgendwas im Büro halt", sagt sie. Seit die Neuntklässlerin regelmäßig die Zukunftswerkstatt an ihrer Schule in Erbach im Odenwald besucht, hat sich das geändert. Sie möchte nun Erzieherin werden. Ihr Lehrer Thorsten Wohlgemuth habe sie dazu ermuntert. Er ist Erfinder der Zukunftswerkstatt. In einem Raum an seiner Schule beschäftigen sich die Schüler ausschließlich mit Arbeit und Beruf, probieren Maschinen aus oder üben Vorstellungsgespräche. Seit zwei Jahren gibt es das Projekt und es ist erfolgreich: 2007 bekamen 31 Prozent der Abgänger von der Erbacher Schule direkt eine duale Ausbildung, 2010 waren es 59 Prozent.

Die IHK Darmstadt unterstützt das Projekt mit einer Million Euro. Auch an anderen Schulen in Hessen soll es die Zukunftswerkstatt geben. Die Kammer will auf diese Weise ein Problem der Betriebe lösen: In Südhessen fehlen nach IHK-Prognosen bis 2020 jedes Jahr 2300 wissenschaftliche und 22 000 beruflich qualifizierte Fachkräfte.

Wohlgemuth hatte an seiner Schule anfangs mit Widerstand zu kämpfen. "Berufsorientierung hat für viele Lehrer keine Bedeutung", sagte er während einer Podiumsdiskussion der IHK zum Thema. "Wir suchen nicht die besten Schulabgänger, sondern die geeigneten", hob dabei Thomas Koppe, Ausbildungsleiter beim Pharma- und Chemiekonzern Merck die Rolle der Berufsorientierung hervor. "Man bekommt auch eine Ausbildung, wenn die Noten nur mittelmäßig sind."

Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) hatte zuvor in ihrer Ansprache anderes geschildert. Mit einer Fünf in Englisch und einer Vier in Deutsch könne man nicht Fremdsprachenkorrespondentin werden – Lehrer seien auch gefordert, die Schüler vor falschem Berufswunsch zu schützen. Henzler warnte zugleich vor einer Überforderung der Schulen. Sie sollten "Haushaltsführung und Medienkompetenz lehren, Fachunterricht halten und inzwischen auch zu Pünktlichkeit und Höflichkeit erziehen". Eltern dürften aber nicht aus der Pflicht genommen werden.

Dieses Dokument wurde erstellt am 29.02.12 durch Christoph Kabrhel.
Die letzte Bearbeitung erfolgte am 29.02.12 durch Christoph Kabrhel.