Berufswahl am Sechsecktisch

Lesen Sie hier den Artikel aus dem Main-Echo von Manfred Giebenhain vom 24.02.2012, Seite 22:

Bildung: IHK Darmstadt gibt eine Million Euro für Zukunftswerkstätten wie in der integrierten Gesamtschule Erbach

ERBACH. Mit einer Million Euro will die Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt jungen Menschen die Berufswahl erleichtern und sie besser darauf vorbereiten. Partner sind die Schulen vor Ort. Wenn sie mitmachen, bekommen sie ein Budget von 10 000 Euro für die Einrichtung einer "Zukunftswerkstatt".

Etwas stolz ist Thorsten Wohlgemuth schon, wenn er den Saal E 5 in der Schule am Sportpark in Erbach (Odenwaldkreis) betritt. Es ist kein Klassenzimmer wie jedes andere. Auf Lehrer Wohlgemuths Initiative geht es zurück, dass im September 2009 hier Werbeflächen regionaler Unternehmen aufgehängt wurden, die über rund 30 Berufsbilder und Ausbildungsberufe informieren. In der Mitte scharen sich im Sechseck angeordnete Tische mit Notebooks, die auf kurzem Weg durchs weltweite Netz noch mehr Odenwälder Firmen in die Schule holen.

In dem Raum spielt sich auch der persönliche Kontakt zwischen Berufsberater und Schüler ab; Firmenvertreter kommen mit ihren Auszubildenden, die aus erster Hand den potenziellen Nachwuchs ansprechen. Denn dieser ist gefragter denn je.

Was als »Berufsorientierungszimmer« an der integrierten Gesamtschule in Erbach begonnen hat, hat längst Nachahmer gefunden wie den "Berufesaal" an der Theodor-Litt-Schule im benachbarten Michelstadt. Pate ist hier die Strahlemann-Stiftung mit ihrem Projekt "Talent Company". Wohlgemuth greift das Stichwort auf: "Ich bin davon überzeugt, dass in jedem Schüler Talente schlummern, die es zu wecken gilt."

Geweckt hat er auch das Interesse der Wirtschaft, allen voran die Darmstädter IHK, die nach mehreren Kontakten von dem Konzept so überzeugt war, dass sie das Modell auf möglichst viele Schulen im südhessischen Raum übertragen will. "Die Vollversammlung hat im Dezember 2010 entschieden, zur Einrichtung von Zukunftswerkstätten nach dem Erbacher Vorbild eine Million Euro zur Verfügung zu stellen", berichtet Dominik Theisen, Teamleiter für Weiterbildung.

Den geeigneten Raum und das Mobiliar stellt die Schule. Aus dem IHKBudget finanziert werden die lerntechnische Ausstattung wie die Computer-Insel, der Beamer und andere ITEndgeräte. Aber auch die Lehrerfortbildung in Fragen der Berufsorientierung zählt zum Programm, weshalb die Industrie- und Handelskammer auch einen "Berufseinstiegsbegleiter" als verantwortlichen Ansprechpartner genannt haben will. IHK-Mann Theisen spricht daher gern auch von der "Anlaufstelle Unternehmen". Als Lehrer für Arbeitslehre hat Thorsten Wohlgemuth diese Funktion in Erbach schon lange. Manfred Giebenhain

Dieses Dokument wurde erstellt am 29.02.12 durch Christoph Kabrhel.
Die letzte Bearbeitung erfolgte am 29.02.12 durch Christoph Kabrhel.