Cool bleiben statt zuschlagen

Das Projekt orientiert sich an dem Konzept von Tilo Benner. Informationen zum Autor:
Tilo Benner: Ev. Pfarrer - Pädagogischer Mitarbeiter in Sozialen Trainingskursen für straffällige Jugendliche und Betreuungshelfer für delinquente und sozial benachteiligte Jugendliche. Derzeit Lehrer für Erziehungshilfe am ZeBraH – Zentrum für Beratung, Erziehungs- und Eingliederungshilfen) und als Religionslehrer im Lahn-Dill-Kreis.

Gewalt ist ein unübersehbares Phänomen im Alltag der Schule geworden:
Beschimpfungen, Beleidigungen, Handgreiflichkeiten und Schlägereien machen sich auf den Schulhöfen breit. Das Projekt nimmt sich dem Thema, der Problematik insofern an, als es versucht Hilfen an die Hand zu geben, um körperlicher und verbaler Gewalt angemessen zu begegnen. “Cool  bleiben statt zuschlagen!“ möchte SchülerInnen der Sekundarstufe I mehr soziale Kompetenzen vermitteln, um Konflikte konstruktiv und adäquat lösen zu können und hat präventiven Charakter. Den Schülern sollen Handlungsalternativen für Konfliktsituationen eingeprägt werden. Das Projekt versteht sich insofern als Anstoß zu neuen Lernprozessen.Das Projekt entstand vor dem Hintergrund von Erfahrungen in den Sozialen Trainingskursen für straffällige Jugendliche im Lahn-Dill-Kreis. Bei den meisten Jugendlichen und Heranwachsenden, die aufgrund von Gewalttaten auffällig geworden sind, ist zu beobachten:

  • Ein geringes Selbstwertgefühl, Gewalt zu nutzen, um Selbstwertgefühl zu steigern.
  • Sehr geringen Emotionalen Quotienten. Sie können weder ihre eigenen Gefühle richtig wahrnehmen und benennen noch die   Gefühle anderer erkennen und sind kaum in der Lage, Einfühlungsvermögen zu entwickeln.
  • Egoistische Sichtweise und Intoleranz - egoistisch handeln, intolerant sind und nur eigene Interessen im Blick haben, Bedürfnisse und Rechte anderer hingegen nicht wahrnehmen.
  • Beleidigungen und Beschimpfungen gebrauchen, um ihren Ärger und Aggressionen zu kompensieren, auszugleichen. - Gewalt als Konfliktlösungsstrategie nutzen, um Auseinandersetzungen zu lösen.
  • Ungeregeltes Leben - eine ungeregelte Lebensführung aufweisen, ihren Tagesablauf nicht organisieren können und sich kaum an Regeln einer Schule bzw. Arbeitsstätte halten können. 
  • Bei vielen Kindern und Jugendlichen, die strafrechtlich noch nicht auffällig geworden sind, sind diese Defizite bereits in Ansätzen oder auch schon in fortgeschrittenem Maß vorhanden. Aggression und Gewalt als Mittel der Konfliktbewältigung unter Schülern sind weit verbreitet. Viele haben keine Erfahrungen bzw. haben es nicht gelernt, angemessen mit Aggressionen umzugehen.          

Zielsetzungen

Das Projekt ist ein ganzheitliches Konflikttraining, mit dem Ziel, gewaltsame Auseinandersetzungen unter den SchülerInnen vorzubeugen sowie die Persönlichkeit des einzelnen Schülers und die Klassengemeinschaft im Ganzen zu fördern. Es gilt die genannten Defizite schon präventiv in ihren Ansätzen zu bearbeiten und zu beseitigen.Um die Defizite aufzufangen, sollen die Schüler im Projekt:

  • Wertschätzung und Anerkennung erleben, um ihr Selbstbewusstsein zu fördern
  • Selbsterfahrungen machen, bei denen sie sich der eigenen Gefühle und der Gefühle anderer bewusst werden, um Einfühlungsvermögen zu entwickeln
  • Kooperation einüben, gemeinsame Ziele stecken, egoistische Sichtweisen und Handeln ablegen und Mitschüler mit ihren Stärken und Schwächen akzeptieren 
  • Kommunikationsformen kennen lernen, um ihren Ärger und Aggressionen adäquat nennen zu können
  • Konstruktive Konfliktlösungsstrategien sowie Streitschlichtungsmethoden erlernen, um Konflikte angemessen ohne Gewalt zu lösen 
  • Regeln für das Miteinander in der Klasse entwickeln und gemeinsam einüben, um eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu erreichen.

Zielsetzungen des Projektes

  • Stärkung der Gruppenidentität und der Klassengemeinschaft
  • Gemeinsames Erarbeiten von Grundregeln für ein gutes Miteinander (in der Klasse)?
  • Stärkung der Persönlichkeit und des Selbstwertgefühls der einzelnen Schüler?
  • Förderung der Toleranz gegenüber anderen?
  • Sensibilisierung in Bezug auf die eigenen Gefühle und die Gefühle anderer?
  • Förderung der sozialen Kompetenzen?
  • Förderung der Kommunikationsfähigkeit?
  • Stärkung der Fähigkeit zur Selbstreflexion?
  • Vermittlung von Methoden zur gewaltfreien Lösung von Konflikten?
  • Einübung von Praktiken zur Deeskalation und Vermeidung handgreiflicher Auseinandersetzungen.

Die Inhalte des Projektes werden hauptsächlich durch erlebnispädagogische und kooperative Übungen und Spiel vermittelt, die den Schülern individuelle Grenzerfahrungen ermöglichen und zugleich auch noch Spaß bereiten. Über die Übungen und Spiele haben die SchülerInnen die Möglichkeit, neue Erfahrungen im Umgang mit Konflikten zu machen. Grenzen des Projektes:Das Projekt ist kein Patentrezept! Es kann nur als Anfang eines unter Umständen langfristigen Prozesses betrachtet werden, der im (Unterrichts-) Alltag immer wieder fortgeführt werden muss.

Fehlentwicklungen über Jahre können nicht innerhalb kurzer Zeit (sieben Wochen) ausgeglichen werden. Zeitlicher Rahmen:14 Einheiten (1 Einheit = 90 Minuten) in sieben Wochen Der Inhalt bzw. der Ablauf des Projektes ist folgendermaßen: 

    Einheit 1:   Projektvorstellung; Kennenlernen; Erarbeitung und Sinn von Regeln
    Einheit 2:   Kennenlernen; Festlegen der Klassenregeln für das Projekt
    Einheit 3:   Entdecken der eigenen Fähigkeiten
    Einheit 4:   Kooperation
    Einheit 5:   Kooperation; Nonverbale Kommunikation
    Einheit 6:   Nonverbale Kommunikation; Erleben unterschiedlicher Gefühle
    Einheit 7:   Nonverbale Kommunikation; Beleidigungen
    Einheit 8:   Gefühle bei Beleidigungen; Kommunikation in Konfliktsituationen
    Einheit 9:   Aktives Zuhören
    Einheit 10: Kooperation; Vertrauen
    Einheit 11: Vermeidung gewaltsamer Konflikte; Unterbrechung von Schlägereien
    Einheit 12: Konfliktlösung
    Einheit 13: Konfliktlösung; Vertrauen
    Einheit 14: Abschlusssitzung    

Struktur einer Einheit

  1. Gefühlsrunde: Jeder Schüler hat in der kurzen Anfangsrunde die Möglichkeit, der Gruppe mitzuteilen, wie es ihm momentan geht. Die Gefühlsrunde ist ein gemeinsamer Anfangsritus des Projektes.
  2. Warming up: Als Erleichterung für die Schüler, im Projekt anzukommen und sich auf die weiteren Inhalte einzustellen.
  3. Interaktion: Hauptteil einer Einheit. Durch Spiele und Übungen werden die wesentlichen Inhalte der Einheit vermittelt und eingeübt.
  4. Abschlussrunde: Reflexion der Einheit sowie Meinungen und Bewertungen seitens der Schüler.

Bereiche der Bausteine

  • Kennenlernen: seine Mitschüler und deren Unter-schiedlichkeit wahrnehmen
  • Regeln: den Sinn von Regeln erarbeiten und Regeln für das Miteinander erstellen
  • Wertschätzung: Stärken und Fähigkeiten entdecken, anerkennen und würdigen
  • Kooperation: Zusammenarbeit einüben und Zusammengehörigkeitsgefühl stärken
  • Kommunikation: Wirkung von Sprache erkennen, Anliegen in deeskalierender Weise anderen mitteilen
  • Selbsterfahrung: Gefühle und Körpersprache wahrnehmen
  • Konfliktlösung: Gewaltsame Konflikte vermeiden und überwinden sowie Übereinstimmung suchen und finden.

Angewandte Methoden

  • Einzel-, Partner- bzw. Gruppenarbeit
  • verschiedene Gesprächsformen 
  • Spiele und Übungen (Aufwärmspiel; Bewegungsspiel; Rollenspiel; Darstellspiel; Kommunikationsspiel; Konzentrationsspiel;
  • Kooperationsspiel; Selbsterfahrungsspiel; Sensibilisierungsspiel; Vertrauensspiel; Wahrnehmungsspiel; Wettkampfspiel ...)

Weitere wesentliche Hinweise

  • Verzicht auf Bewertung: Die Bausteine sind dazu da, gemeinsam oder einzeln etwas auszuprobieren. Es geht nicht um Richtig oder Falsch, Sieger oder Verlierer. Der Verzicht auf (negative) Bewertung ist eine Grundvoraussetzung, dass die Schüler motiviert am Projekt teilnehmen können.
  • Spaßfaktor: Das Projekt soll allen Beteiligten Spaß machen. Dies motiviert sich einzubringen und sich auf Neues einzulassen.
  • Geschützter Raum: Persönliches soll vertraulich behandelt werden und nicht nach außen dringen.
  • Gemeinsamer Lernprozess: Beide Seiten (Schüler und Lehrer) begeben sich gemeinsam auf einen Weg, gemeinsam nach Lösungen für Konfliktsituationen zu suchen. Alte Verhaltensmuster können reflektiert, überprüft und abgelegt werden.
  • Umgang mit Konflikten: Streitigkeiten, die offen in der Klasse ausgetragen werden, bieten eine gute Möglichkeit, gemeinsam mit der Gruppe gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln und umzusetzen. Die Lerngruppe kann die Ursachen des Konfliktes reflektieren, nach alternativen Lösungen suchen und mit den Konfliktgegnern überlegen, wie sie zukünftig ihr Problem lösen bzw. miteinander umgehen können.
  • Teamteaching: Für die Einbeziehung des Klassenlehrers spricht, dass er den Lernprozess, der durch das Projekt angestoßen wird, in seinem normalen Unterricht weiterführen bzw. Elemente und Lerninhalte kontinuierlich mit den Schülern einüben und anwenden kann.
  • Die einzelnen Einheiten können auch je nach Bedarf thematisch im Unterrichtsalltag eingesetzt werden. Die Einhaltung des Ablaufes von "Cool bleiben statt zuschlagen!" ist nicht erforderlich.

Literatur: Tilo Benner: Cool bleiben statt zuschlagen! Bausteine zur Gewaltprävention 5. - 8. Klasse. 2. Auflage. Persen Verlag GmbH. Horneburg, 2003. ISBN 3-89358-864-7 "Cool bleiben statt zuschlagen!", ein Projekt mit Bausteinen zur Gewaltprävention an der Schule am Sportpark in Erbach, durchgeführt von Alexander Carrasco Torres

(Integrative Erziehungshilfe / Schulsozialarbeit der SAS)

Dieses Dokument wurde erstellt am 05.04.07 durch Anika Knapp.
Die letzte Bearbeitung erfolgte am 03.06.09 durch Christoph Kabrhel.