Förderschule: Klassen für Lernhilfe

Was ist eine Förderschule?

Die Förderschule ist ein eigenständiger Schultyp für Schülerinnen und Schüler, die an der allgemein bildenden Schule nicht ausreichend gefördert werden können. Es gibt neun verschiedene Formen der Förderschule (ehemals "Sonderschule"), an denen Schülerinnen und Schüler mit sogenanntem sonderpädagogischem Förderbedarf entsprechend ihrem Leistungsvermögen und der Art ihrer Beeinträchtigung unterrichtet werden.

  1. Schule für Lernhilfe
  2. Schule für Praktisch Bildbare
  3. Schule für Körperbehinderte
  4. Schule für Erziehungshilfe
  5. Schule für Hörgeschädigte
  6. Schule für Blinde
  7. Schule für Sehbehinderte
  8. Schule für Kranke
  9. Sprachheilschule

Welche Förderschulform gibt es an der Schule am Sportpark?

Im Odenwaldkreis sind viele Lernhilfeklassen nicht in separierten Schulen, sondern an Grund-, Haupt- und Real- oder Gesamtschulen angegliedert. So ist es auch an der Schule am Sportpark. Dort gibt es zur Zeit drei Klassen für Lernhilfe. Auch Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Erziehungshilfe werden hier beschult, wenn sie zusätzlich einen Förderbedarf im Bereich Lernhilfe haben.

Wer unterrichtet die Förderschülerinnen und -schüler?

Zur Zeit gibt es vier Förderschullehrerinnen an der Schule am Sportpark:

  • Frau Sandra Braun (Klasse F6/7)
  • Frau Silvia Hupp (Klasse F7/8)
  • Frau Kerstin Friedl (Klasse F9)
  • Frau Evelin Benda

Es unterrichten aber auch Haupt- und Realschullehrerinnen und -lehrer in den Lernhilfeklassen. Dies ist nötig, um alle Fächer abdecken zu können. So werden häufig Musik- oder Werklehrkräfte in den Klassen für Lernhilfe tätig.

Wer wird in der Förderschule beschult?

Schülerinnen und Schüler, die in unseren Klassen für Lernhilfe unterrichtet werden, sind keinesfalls dumm oder dümmer als andere. Das denken viele, aber das ist ein Vorurteil! Lernhilfeschülerinnen und -schüler kommen nur mit den Gegebenheiten in der allgemein bildenden Schule nicht (mehr) zurecht.

Die Klassen sind dort oft sehr groß, es gibt immer mehr zu wissen und zu lernen, der viele Stoff muss in der wenigen Zeit möglichst schnell durchgenommen werden. Wenn man nun einfach länger braucht, mehr Wiederholung nötig ist, bis das Gelernte sitzt, wenn dann vielleicht noch außerhalb der Schule Probleme auftauchen und man abgelenkt ist, verliert man schnell den Anschluss und ein Teufelskreis beginnt. Man kommt nicht mehr mit, die Grundlagen fehlen, um das nächste Thema zu verstehen. Man verliert das Selbstbewusstsein und die Motivation am Lernen. Dies ist nur ein Beispiel.

Was wäre die Folge? Man verlässt vielleicht ohne erfolgreichen Abschluss die Schule und wird es schwer haben, jemals eine Ausbildungsstelle oder einen Arbeitsplatz zu bekommen. Damit dies nicht passiert, gibt es die Förderschule bzw. unsere Klassen für Lernhilfe. Hier gibt es kleinere Klassen von maximal 16 Schülerinnen und Schülern. Man hat den Großteil der Stunden bei der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer, die oder der genau die Schwächen und Probleme der einzelnen Schülerinnen und Schüler kennt und gezielt auf diese eingehen kann.

Manchmal lernen alle zusammen, oft lernt man jedoch individuell, so dass das Lerntempo und der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben wirklich angemessen ist - nicht zu leicht, nicht zu schwer. Man kann ein Thema auch öfter wiederholen, damit es wirklich sitzt.

Die Förderschule bietet schwachen Schülerinnen und Schülern, die in der allgemein bildenen Schule nicht mehr mitgekommen sind, individuelle Aufarbeitung von Lücken und Schwächen und vor allem mehr Zeit für den Stoff.

Wie wird man Förderschülerin oder -schüler?

In der Grundschule unterrichten aufmerksame Klassenlehrerinnen oder -lehrer. Diesen fällt es auf, wenn die Leistungen einer Schülerin oder eines Schülers schlecht sind oder schlecht werden. Meistens werden erst eine Menge Fördermaßnahmen außerhalb der Förderschule eingeleitet, um wieder bessere Leistungen zu ermöglichen (z.B. Förderkurse in einzelnen Fächern, Nachhilfe, Gespräche mit den Eltern usw.). Helfen diese langfristig, so kommt eine sonderpädagogische Förderung nicht in Betracht. Helfen die Unterstützungsmaßnahmen jedoch nur kurzfristig oder gar nicht, werden weitere, diesmal andere Maßnahmen versucht. Es kann sogar vorkommen, dass jemand, dem eine Beschulung in der Förderschule besser geholfen hätte, bis in die Hauptschule durchkommt. Dafür braucht es viel Fleiß und Hilfe von daheim.

Wenn langfristig deutliche Leistungsabfälle auftreten, sollte möglichst noch in der Grundschule ein Verfahren zur Überprüfung sonderpädagogischen Förderbedarfs (VÜFF) eingeleitet werden. Dazu wird die Situation geschildert, das Staatliche Schulamt beauftragt dann eine Förderschullehrkraft damit, dieses Kind zu testen. Dazu werden allerhand diagnostische Tests durchgeführt, die Schulakte wird genau durchgelesen, es finden zahlreiche Gespräche mit den Eltern, dem Kind und vielen Lehrerinnen und Lehrern, die das Kind unterrichteten, statt. Am Schluss schreibt die Förderschullehrerin ein Gutachten. Dort empfiehlt sie, ob die Schülerin oder der Schüler sonderpädagogisch gefördert werden soll. Ist dies der Fall und erkennen die Eltern den Förderbedarf ihres Kindes an, wird die Schülerin oder der Schüler einer nahegelegenen, passenden Förderschulklasse zugeteilt.

Welche Altersstufen gibt es im Förderschulzweig der Schule am Sportpark?

Lernhilfeklassen an separierten Förderschulen werden in Grund-, Mittel- und Hauptstufe eingeteilt. In unserem integrierten System sind die Lernhilfeklassen der Grundstufe (Schulbesuchsjahr 1-4) an den Grundschulen angesiedelt. Das ist in Erbach die Schule am Treppenweg. Die Mittelstufe (Schulbesuchsjahr 5-7) ist sowohl an der Grundschule als auch an den Schulen der Sekundarstufe I angesiedelt. Das wird aus pädagogischen Gründen entschieden, je nach dem welchen Stoff die Schülerin oder der Schüler gerade noch aufholen muss und wie "erwachsen" die Schülerin oder der Schüler schon ist. Schülerinnen und Schüler ab dem 7. - 9. Schulbesuchsjahr gehören der Hauptstufe an und werden in Erbach an der Schule am Sportpark unterrichtet. In besonderen Fällen kann auch das 10. Schulbesuchsjahr noch hier durchlaufen werden.

Welchen Schulabschluss gibt es in der Förderschule?

Hat man die Lücken aufgeholt, kann man schon während der Schulzeit in die Hauptschule zurückgeschult werden. Oder man verlässt die Schule mit einem Abschluss der Schule für Lernhilfe. Damit eröffnen sich wiederum viele Möglichkeiten, anschließend den Hauptschulabschluss zu erlangen: In weiterführenden Schulen und Maßnahmen zur Eingliederung in die Berufswelt, die z.B. von der Argentur für Arbeit unterstützt oder vermittelt werden.

Englisch ist hier kein Pflichtfach, wird an unserer Schule aber angeboten. Ansonsten gilt der gleiche Fächerkanon wie in der Hauptschule. Dadurch lernt man den gleichen Stoff wie in der Hauptschule, man hat jedoch mehr Zeit und bekommt zusätzliche Hilfen und Unterstützung von vielen Seiten.

Der Abschluss der Förderschule wird am Ende der Jahrgangsstufe 9 erreicht. Vorraussetzung ist, dass gemäß der Versetzungs- bzw. der Abschlussbestimmungen eine Gesamtleistung von 4,4 oder besser erreicht wird.  Einige Förderschüler nehmen an der Hauptschulprüfung teil.

Dieses Dokument wurde erstellt am 28.06.06 durch Christoph Kabrhel.
Die letzte Bearbeitung erfolgte am 24.09.17 durch Christoph Kabrhel.