Politik trifft Schule - Bildung in der digitalen Welt

Am 14.11.2019 fand eine Podiumsdiskussion mit unseren odenwälder Landtagsabgeordneten Sandra Funken (CDU), Frank Diefenbach (Bündnis 90/Grüne) und Moritz Promny (FDP) statt - geplant und ausgerichtet von der Projektgruppe "Mediencurriculum" der Schule am Sportpark, bestehend aus den Kolleginnen und Kollegen Laura Weber, Tanja Selig, Christoph Kabrhel und Vesna Schmitz aus der Schulleitung. Politik trifft Schule - InfostellwändeZunächst hatten alle Anwesenden (u.a. Elternvertreter, Lehrkräfte diverser Schulen, Schülerinnen und Schüler unserer Schule und zwei PoWi-Kurse vom Gymnasium) eine halbe Stunde Gelegenheit, sich an drei Stellwänden über die zur Diskussion stehenden Themen und die Sichtweise des Kollegiums der Schule am Sportpark hierüber zu informieren. Anschließend wurden zwei Fragen diskutiert:

1. Brauchen wir ein Pflichfach "Medienkunde/Informatik"?

Das Hessische Kultusministerium fordert die Vermittlung verschiedner IT-Kompetenzen (basierend auf der Strategie der Kultusministerkonferenz "BIldung in der digitalen Welt"), möchte hierfür aber kein eigenes Fach zur Verfügung stellen. Die Inhalte sollen stattdessen von allen Lehrkräften fächerübergreifend vermittelt werden - trotz ohnehin schon voller Lehrpläne der Fächer. Hierzu sind alle Schulen gehalten, ein eigenes Medienbildungscurriculum zu schreiben. Wie Lehrer Christoph Kabrhel in einem Kurzvortrag erklärte, ist dies für einige Themen zwar durchaus leistbar und sinnvoll, für viele andere allerdings nicht. Je komplexer und technisch anspruchsvoller die Materie, desto eher bedarf es qualifizierter Politik trifft Schule - PodiumsdiskussionFachkräfte für die Vermittlung. Das war die Erkenntnis eines pädagogischen Tages an der Schule am Sportpark vor einem Jahr und Anlass für die Einladung zu dieser Diskussionsveranstaltung. Soll etwa die Beschäftigung mit Algorithmen und deren Wirkungsweise Personen überlassen werden, die nicht vom Fach sind?

"Guter Unterricht kann nur durch kompetente Lehrkräfte erfolgen, die auch die Zeit erhalten, es richtig zu vermitteln!" lautete deshalb die zentrale Forderung des Kollegiums der Schule am Sportpark an die Landtagsabgeordneten. Eine kurze anonyme Online-Umfrage im Publikum (die aufgrund des unzureichenden Netzausbaus - welch Ironie des Schicksals - nicht auf jedem Smartphone funktionierte) zeigte, dass auch ein Großteil der Anwesenden sich ein Pflichtfach wünschte. In der anschließenden etwa 20-minütigen Diskussionsphase konnten die Volksvertreter ihre eigenen Standpunkte darlegen.

Moritz Promny, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, befürwortete die Idee eines Pflichtfachs. Seine zwei Kolleginnen und Kollegen hingegen standen dem noch etwas skeptisch gegenüber - analog zu ihrer Parteizugehörigkeit zur aktuellen Regierungskoalition. Sandra Funken und Frank Diefenbach konnten sich zwar prinzipiell vorstellen, in einem gewissen Umfang allgemeine Medienkunde in einem eigenen Fach unterrichten zu lassen, sahen aber keine Notwendigkeit, Inhalte vermitteln zu lassen, die für sie "zu sehr in die Tiefe" gingen. Für das Erlernen von Grundkenntnissen in der Programmierung etwa sahen sie keinen Bedarf, hierfür reiche ein Wahlangebot an Schulen aus. Angesichts der im Berufs- und Lebensalltag immer wichtiger werdenden Computer und Algorithmen und dem Fachkräftemangel im Bereich IT eine - wie wir von der Schule am Sportpark finden - Fehleinschätzung der aktuellen Lage. Beide Politiker ließen aber durchblicken, diesbezüglich ihre Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen zu haben.

2. Brauchen wir ein neues IT-Ausstattungs- und Wartungskonzept?

So lautete die zweite an diesem Nachmittag diskutierte Frage. In einem Kurzinput erfuhren die Anwesenden, dass die Schule am Sportpark aktuell für die Wartung und Instandhaltung ihrer IT-Infrastuktur (ca. 120 PCs, 5 ActivBoards, 45 Tablets, 10 Laptops, 12 Beamer, Schulserver, div. Spezialsoftware, ...) vom Schulträger ca. 5,5 Stunden Support pro Woche erhält. Politik trifft Schule - PodiumsdiskussionDies ist zur vernünftigen Instandhaltung der Geräte und Software bei Weitem nicht ausreichend. Zu oft funktioniert Technik zu lange nicht. Die Gelder aus dem kürzlich verabschiedeten Digitalpakt dürfen aber fatalerweise nicht für Personalkosten (d.h. Wartungsarbeiten) verwendet werden! Hiervon wird vor allem weitere Hardware angeschafft - was aber natürlich den Bedarf an Wartungsarbeiten nur noch weiter vergrößert. Die (diesmal durch einfaches Handheben) durchgeführte Umfrage im Publikum bestätigte diese Einschätzung. Die überwältigende Mehrheit der Anwesenden befand, dass die aktuelle Wartungssituation äußerst unzureichend sei.

Diefenbach verwies in der anschließenden Diskussion auf die Gelder aus dem Digitalpakt und auf die Tatsache, dass die Hessiche Landesregierung den Eigenanteil an Landesmitteln sogar auf 25% statt der geforderten 10% erhöht habe, worauf Promny die zur Verfügung stehenden Millionen auf den einzelnen Schüler und den Gesamtförderzeitraum herunterrechnete. Die letztendlich für jede Schule übrigbleibende Summe klang dann nicht mehr nach allzu viel, sondern eher nach einem zwar willkommenen, aber letztendlich doch kleinen Sahnehäubchen. Da - wie die Umfrage deutlich zeigte - aber vor allem die Wartung der vorhanden IT-Infrastuktur das eigentliche Problem ist, helfen die Gelder aus dem Digitalpakt den Schulen eigentlich nicht wirklich. Wie auch Wortmeldungen von Lehrkräften anderer Schulen aus dem Publikum zeigten, kann es ohne eine Aufstockung des Personals für den IT-Support nicht funktionieren. Eine konkrete Lösung konnte in der sehr intensiv und mit viel Beteiligung der Zuhörer geführten Diskussion natürlich noch nicht gefunden werden - letztendlich eine Frage, wieviel Geld langfristig in Personal investiert wird. Aber zumindest wurden die aktuellen Missstände angesprochen und gehört. Es bleibt also abzuwarten, ob auch dementsprechende Taten der Politik folgen.

Politik trifft Schule - Ausklang am BuffetDen letzten Teil der Veranstaltung bildete ein sehr reichhaltiges Buffet, das von Schülerinnen und Schülern eines Wahlpflichkurses des Jahrgangs 10 unter der Leitung von Frau Dr. Marion Wollschläger-Walther zubereitet wurde. Hier bot sich für die Anwesenden die Gelegenheit, die Gedanken der Podiumsdiskussion noch einmal in einem persönlichen und ungezwungenen Gespräch mit den Abgeordneten aufzugreifen und zu vertiefen. Ebenso konnten die Lehrkräfte der anwesenden Schulen die Gelegenheit nutzen, persönliche Kontakte untereinander zu knüpfen und über das weitere Vorgehen nachzudenken.

Generell gefiel vielen Anwesenden das Format dieser Veranstaltung sehr gut und es gab Vorschläge, ähnliche Veranstaltungen in einem regelmäßigen Turnus mit z.B. wechselnden Themen an verschiedenen Schulen stattfinden zu lassen - ganz im Zeichen von Meinungsäußerung und -bildung und letztendlich von gelebter Demokratie. Sind wir also gespannt, was die Zukunft bringt ...

Einen Bericht des Odenwälder Echo über die Veranstaltung finden Sie unter https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/erbach/computernutzung-muss-gelehrt-werden_20723841 (19.11.2019).