Treffen mit Zeitzeugen

 

Schüler des 10. Jahrgangs treffen Zeitzeugen des Nationalsozialismus

Sie zählen zu den letzten, die von den Verbrechen des Nationalsozialismus erzählen können. Am Montag, dem 6. März 2017, haben unsere Schüler der Klasse 10 im Kloster Höchst Zeitzeugen des Nationalsozialismus getroffen. Hierbei handelte es sich um polnische Christen, die in emotionalen Vorträgen von ihren Schicksalen während der NS-Zeit berichteten.

Bewegt und dankbar über diese einmalige Chance zeigten sich die Schüler in ihren späteren Erzählungen:

 

„Jacek ist heute 93 Jahre alt. Als er vor 76 Jahren von seinen Eltern getrennt verhaftet wurde, war er erst 17. Er verbrachte 2 Jahre in Haft des NS-Regimes, wobei sein längster Aufenthalt im KZ Auschwitz-Birkenau in Polen war. Er wurde, wie die meisten politischen Häftlinge in spärlicher Kleidung, bei unterschiedlichen Jahreszeiten zum Arbeiten gezwungen, bis er nur noch 35 kg wog. […] Zum Schluss gab er uns Jugendlichen eine Weisheit mit: `Ihr könnt nichts für das was passiert ist. Das ist Vergangenheit. Ihr seid die Zukunft, doch ihr müsst die Vergangenheit kennen, um nicht dieselben Fehler zu machen.“

„Es war sehr interessant und ergreifend. Jacek konnte zum Großteil Deutsch sprechen, was das Ganze noch persönlicher gemacht hat. Er hat uns Dinge erklärt, die wir so im Unterricht nicht behandelt hatten. Immer wieder hat er betont, dass es keine schlechten Nationen [gäbe], sondern nur einzelne schlechte Menschen. Ich fand es beeindrucken, dass ein über 90 Jahre alter Mann während des Vortrags gestanden hat und uns wildfremden Menschen seine Geschichte erzählt hat. Er hat uns seine Ängste [geschildert] und uns versucht klarzumachen, dass wir die Zukunft [seien]. Es war beeindruckend.“

„In dem Kinderlager mussten vor allem die Älteren auf dem Acker arbeiten. Ihr Bruder klaute für seine kleine Schwester Barbara eine Karotte, weil sie so großen Hunger hatte, und wurde für drei Tage in einen dunklen, nassen Keller gesperrt, ohne Essen, ohne Trinken, ohne Licht. Ihre Mutter starb in dem KZ, bis heute weiß Barbara nicht wie.“

 

„Ich finde, es war eine interessante Erfahrung. Ich denke, dass wir mit eine der letzten Generationen sind, die Zeitzeugen [erleben] können. Es ist was ganz anderes, wenn man dieses Thema von einer Person, die [all das selbst erlebte, dargestellt bekommt]. […] Außerdem bekommt man mit, wie verletzt die Menschen immer noch sind, obwohl das, was sie erlebten über 70 Jahre her ist. […] Irgendwann gibt es diese Zeitzeugen nicht mehr und man kann nie wieder Erzählungen […] von Menschen, die diese Zeit überlebt haben hören.“

„Es war sehr interessant, einen Überlebenden aus Ausschwitz zu treffen und etwas über seine persönlichen Erfahrungen zu hören. Er erzählte, dass sie dort zu zehnt auf 4 m² leben mussten. Sie mussten sich zu viert eine Schüssel Suppe teilen und wenn davon etwas verschüttet wurde, löffelten sie die Reste mit ihren Händen vom schlammigen Boden auf, weil sie solchen Hunger hatten.“

„Dass sie heute darüber offen reden kann, ist unglaublich. Ihre Art wie sie er erzählt hat, hat mich gefesselt, also ich habe mich so gefühlt, als hätte ich es erlebt. Dank ihr weiß ich, dass Hass das Schlimmste ist, was bei einem Menschen ausgelöst werden kann.“

„[…] Alodia, die im Kinder-KZ im Judenghetto war, lebte mit etwa 10.000 Kindern zusammen und zum Ende des Krieges waren nur noch 300 übrig. […] Besonders traurig fand ich, wie die SS-Leute mit den Kindern umgegangen sind und wie die Zeitzeugin davon erzählte, als die Kinder aufgehängt wurden. Da habe ich verstanden, wie schlimm die damalige Zeit war, unter welchen Qualen sie lebten und dass ich mich glücklich schätzen kann, in der jetzigen Zeit geboren worden zu sein.“

„Ich fand ihre Geschichte besonders bewegend, weil sie so heftige Sachen erlebt hat, die ich mir selber nicht vorstellen kann. Sie hat gesehen, wie Menschen vor ihren Augen gestorben sind oder sie musste zusehen, wie sie von ihrer eigenen Familie getrennt wird. Trotzdem hat sie immer noch so einen großen Kampfgeist. […] Ob ich auch so mutig wäre und die Kraft hätte, alles einer Klasse zu erzählen?“

„Es war einfach sehr interessant, das alles mal von einer Person zu hören, die das alles mal miterlebt hat, weil wir ja sonst alles […] in unseren Schulbüchern gelesen und gelernt haben. Die Geschichte von Jacek hat mich sehr mitgenommen und nachdenklich gemacht. […] Er meinte, wir seien seine Kinder und wir haben die Zukunft in der Hand. […] Ich fand es auch schön, wie er sagte, dass er den Deutschen verzeiht.“

„Wir sind eine der letzten Generationen, die noch mit Menschen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges von Angesicht zu Angesicht reden kann und unseren Kindern […] davon erzählen kann. Das werde ich so schnell nicht vergessen.“

 

 

Dieses Dokument wurde erstellt am 24.03.17 durch Anika Knapp.
Die letzte Bearbeitung erfolgte am 24.03.17 durch Anika Knapp.